Leseprobe: die ersten 3 Seiten
Am Nachmittag lag über dem Cannstatter Wasen dieses besondere Flirren, das es nur an Orten gab, an denen gleichzeitig alles möglich und alles ganz normal wirkte. Zwischen den weiten Flächen, den Buden, den blinkenden Lichtern und dem Rufen von Menschen schob sich Lisa mit schnellen Schritten voran, als würde sie etwas suchen, auch wenn sie selbst noch nicht genau sagen konnte, was. Neben ihr ging Hanna, die die Hände in die Jackentaschen geschoben hatte und Lisa mit einem Blick ansah, der gleichzeitig geduldig und leicht belustigt war.
„Du läufst schon wieder so“, sagte Hanna.
„Wie denn?“
„Als hätte dir jemand eine geheime Botschaft auf den Rücken geklebt und du müsstest nur noch den richtigen Wind finden, damit sie sich von selbst vorliest.“
Lisa grinste. „Das ist ein sehr guter Satz. Und vielleicht stimmt er sogar.“
„Aha. Was ist es diesmal? Aliens im Crêpes-Stand? Ein schwarzes Loch hinter der Losbude?“
„Noch besser“, sagte Lisa und blieb stehen.
Vor ihnen drehte sich das Riesenrad. Seine Gondeln glitten ruhig durch die Luft, als wäre es das gewöhnlichste Fahrgeschäft der Welt. Aber genau das war es, was Lisa störte. Es wirkte zu ruhig. Zu geordnet. Während an den Buden Musik dudelte und irgendwo jemand lachte, schien das Riesenrad in seinem eigenen Takt zu atmen.
„Schau dir die unteren Streben an“, sagte Lisa leise.
Hanna kniff die Augen zusammen. „Streben sind selten mein Spezialgebiet.“
„Die Markierungen da. Die sind nicht nur Wartungszeichen.“
